Auf dem Jakobsweg

23. Jul. 2021 | Impulse

Wir waren eine Gruppe von zwölf Studierenden auf dem Jakobsweg in Spanien und haben unsere Lebensmittel tagsüber unterwegs in den Dörfern eingekauft. Dies ging gut bis zu dem Tag, an dem wir nach St. Jean de Ortega kamen. Wir waren recht müde vom Gehen und konnten unterwegs nichts zu essen kaufen und hörten dann nur vom Pfarrer des kleinen Dorfes, dass es nach der Abendmesse ein Essen für alle Pilger gibt. Er stellte eine Knoblauchsuppe zur Verfügung, alle anderen sollten das mitbringen, was sie haben.

Da es in St. Juan de Ortega keine Bäckerei und auch sonst kein Geschäft gab, nur eine kleine Bar, war außer ein paar Oliven und trockenen Keksen unser Beitrag zum Abendessen ziemlich dürftig und wir zwölf hatten schon befürchtet, dass wir an diesem Abend ziemlich hungrig ins Bett gehen müssen. Aber als dann alle so ca. vierzig Pilger, dass wenige, dass sie dabei hatten zusammentrugen, war nach der Mahlzeit noch eine ganze Menge an Essen übrig blieb.Was ich selbst vor vielen Jahren dort erlebt habe, ist im Grunde das, was uns die biblischen Texte des Sonntags erzählen. Zum einen die Einladung des Propheten Elischa: „Teile, was du hast und behalte nichts ängstlich für dich allein, dann wird Gottes Liebe auch durch dich in der Welt sichtbar“. Und zum anderen der kleine Junge, der seine begrenzten Möglichkeiten von fünf Broten und zwei Fischen anbietet. Für die Versorgung von mehreren Tausend Menschen lächerlich wenig, aber doch reichen genau diese begrenzten Möglichkeiten aus, um zum Überfluss für alle beizutragen.Und gerade das ist ja die Botschaft, die uns ins Herz gelegt wird. Das, was scheinbar nicht reicht, reicht doch aus. Und wenn wir es uns noch so oft einreden, das Brot für zweihundert Denare nicht ausreicht“, wie Philippus es tut. Dass das, was ich habe und kann, zu wenig, zu unbedeutend, zu lächerlich ist, so lehrt uns das Evangelium doch anderes.

Für mich stecken in dieser Erzählung vom Wunder der Brotvermehrung ein großer Anspruch und eine Zusage zugleich. In unserem Miteinander in unserer Gemeinschaft können wir auch heute Leben miteinander teilen, wenn jeder Einzelne das einbringt, was in ihren und seinen beschränkten Möglichkeichten liegt.