Verreckt die Kirche an ihrer Sprache?

20. Nov. 2016 | Kurz berichtet

Am Dienstag, den 15. November 2016, veranstalteten das Pauluskolleg und die Katholische Hochschulgemeinde im Forum St. Liborius in Paderborn eine Podiumsdiskussion zum Thema „Verreckt die Kirche an ihrer Sprache?“. Nach der Begrüßung durch Direktorin Benedetta Michelini und Studentenpfarrer Nils Petrat schilderten die Podiumsteilnehmer Erik Flügge (Autor des Buches „Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt) und Prof. Dr. Bernhard Spielberg, Pastoraltheologe und Homiletiker aus Freiburg, dass Mitarbeiter/innen der Kirche häufig durch ihren „kirchlichen Sprachstil“ nicht mehr verstanden würden. Von seinem im Mai 2016 verfassten Buch ausgehend, kritisierte Flügge die oft „religionspädagogisierte Sprache“ oder die, das andere Extrem auszeichnende, „theoretisierte Sprache“ des Glaubens. Diese Sprache könne Menschen der heutigen Zeit nicht mehr erreichen, so Flügge und eine Neuorientierung an der Predigtweise Jesus Christi tue Not: „Jesus war kein Religionspädagoge und auch kein Theoretiker. Er hat alles gegeben, was Menschen suchen. Das tun wir heute nicht,“ so Flügge.

Prof. Dr. Bernhard Spielberg griff die von Flügge angesprochenen Themen auf und beleuchtete sie anhand seiner Professionen Pastoraltheologie und Homiletik. In Predigten vom „lieben Gott“ zu sprechen und mit „alten Floskeln“ ausdrücken zu wollen, was dem menschlichen Handeln und Beschreiben letztlich unzugänglich bliebe, weil es Gottes Unbegreiflichkeit betreffe, sei nicht zeitgemäß und könne die Menschen nicht mehr begeistern. Er stellte die Frage, ob in jungen Menschen, die in der Ausbildung für einen kirchlichen Beruf stehen, überhaupt die Kompetenz zum Ausdruck des eigenen Glaubens gefördert werde. So fragte er ins Publikum, ob in Predigten nur über Gefühle, die der Glaube schenke, gesprochen würde oder ob eigene existenzielle Erfahrungen von Hoffnung und Vertrauen so ausgedrückt werden können, dass sie zum lebendigen Zeugnis werden.

An die beiden Statements der Podiumsteilnehmer anschließend, ermöglichte Moderatorin Julia Fisching-Wirth dem Publikum Fragen zu stellen und sich durch die eigene Meinung an der Diskussion zu beteiligen. „Sie legen den Finger in die Wunde, aber Lösungsansätze sind in ihrem Buch nicht zu finden“, kritisierte ein Zuhörer. „Das Buch kann keine Lösung sein, es ist ein Gesprächsanlass, um in Gemeinden, in Pastoralteams individuell für sich eine Lösung zu finden“, erklärte Flügge. Die zahlreich erschienen Zuhörer machten deutlich, dass auch sie eine zeitgemäße kirchliche Sprache, die zu verstehen ist, fordern und sich selbst dafür einsetzen wollen. Doch darin allein den Verlust der Relevanz von Kirche zu sehen, greife zu kurz.



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