Im Rahmen des Patronatsfests am Vorabend des Hochfestes Peter und Paul haben Msgr. Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal, und Dr. Andreas Rohde, Spiritual im Pauluskolleg, Studierende, Ehemalige, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pauluskollegs, Ausbildungsleitungen, Professorinnen und Professoren und viele Kolleginnen und Kollegen Direktorin Benedetta Michelini nach zehnjähriger Tätigkeit im Pauluskolleg verabschiedet. Im Interview mit dem Erzbistum Paderborn schaut B. Michelini auf die Zeit ihrer Tätigkeit zurück. pdp: Frau Michelini, wie viele zukünftige Gemeindereferenten lernten Sie während Ihres Dienstes im Pauluskolleg kennen? Benedetta Michelini: Im Laufe von zehn Jahren durfte ich rund 400 Studierende im Pauluskolleg kennenlernen und begleiten. Ich freue mich sehr über die vielfältigen Begegnungen und entstandenen Kontakte. pdp: Haben sich die Bewerber für das Pauluskolleg über die letzten Jahre verändert? Benedetta Michelini: Auf jeden Fall! Seit einigen Jahren gehören die Bewerberinnen und Bewerber der sogenannten „Generation Y“ an: Sie sind digital unterwegs – vor zehn Jahren hatte kaum jemand ein Smartphone, heute ist es Standard, StudiVZ war vor zehn Jahren „in“, heute sind es Facebook und Instagram beziehungsweise Whatsapp für gruppeninterne Informationen. Die Frage nach einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeits- und Freizeit steht heute an oberster Stelle, verbunden mit der Frage: Warum tue ich das oder jenes, also die Frage nach dem „why?“. Diese Frage ist entscheidend bei der Studien- und Berufswahl. In Bezug auf die Spiritualität sind die heutigen Studierenden zum Großteil stark von Worship-Liedern und der Teilnahme an den Weltjugendtagen geprägt. pdp: Was ist Ihnen wichtig im Hinblick auf die Ausbildung der zukünftigen Gemeindereferenten? Benedetta Michelini: Es ist mir und dem gesamten Leitungsteam des Pauluskollegs ein großes Anliegen, die Vielfalt der Berufungswege und Biographien der Studierenden wahrzunehmen, sie als Personen und Glaubende ernst zu nehmen und sie wertzuschätzen. Gleichzeitig kommt es darauf an, die damit verbundenen Fragen in einem vertrauensvollen und verschwiegenen Rahmen zu stellen und anschauen zu können. Es ist mir zudem wichtig, eine Haltung einzuüben, die den anderen in seiner Andersartigkeit und Einmaligkeit als Geschöpf Gottes wahrnimmt. Die Bereitschaft, sich im Miteinander auch in Frage stellen und korrigieren zu lassen, scheint mir wesentlich zu sein. Es ist für die (Weiter-)Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bedeutsam, vom anderen zu lernen, und, auch wenn das mitunter schmerzhaft ist, mit den eigenen Grenzen umgehen lernen und an ihnen zu wachsen und zu reifen. pdp: Welche Veränderungen gab es während Ihres Dienstes im Pauluskolleg? Benedetta Michelini: Es gab personelle Veränderungen, die zum Berufsleben dazugehören. Es gab zudem den Wechsel vom Diplom-Studiengang der Religionspädagogik zum Bachelorstudiengang. Wichtig war die Entscheidung, dass alle Studierenden nach dem ersten Studienjahr aus dem Pauluskolleg ausziehen, damit sie in Wohngemeinschaften weitere Erfahrungen sammeln können. Auch die Einführung des flexiblen Studiengangs an der KatHO wirkte sich auf die Zusammensetzung des und das Miteinander im Semester aus. Verstärkt hat sich in den letzten Jahren die Vernetzung und Kooperation mit der Diözesanstelle Berufungspastoral im Erzbistum Paderborn, mit der katholischen Hochschulgemeinde sowie mit dem Erzbischöflichen Priesterseminar. Diese war in meinen Augen für alle drei Einrichtungen fruchtbar und gewinnbringend. pdp: Frau Michelini, welches Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Benedetta Michelini: Sicherlich die beiden Exkursionen des Pauluskollegs im Jahr 2013 und 2017 ins Heilige Land, die wir in Kooperation mit der KatHO in Person von Frau Professorin Dr. Christiane Koch erleben durften. Sich mit den Studierenden an diesen Stätten des Glaubens aufzuhalten und diese Orte nicht nur von ihrer Geschichte, sondern von ihrer Bedeutung für den je eigenen Glaubensweg zu erfahren, war eine außerordentliche Bereicherung. pdp: Was ist für den Beruf des Gemeindereferenten wichtig? Benedetta Michelini: Unerlässlich sind in meinen Augen eine gründliche theologische und religionspädagogische Ausbildung, die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebens- und Glaubensbiographie sowie die Freude an der Weitergabe des Glaubens. Für einen Gemeindereferenten ist das Interesse für Menschen und ihre Lebens- und Glaubensgeschichten, die Bereitschaft zum Wachsen und Lernen – auch im Glauben –, die Pflege eines geistlichen Lebens, die Erfahrung von stärkenden und tragenden (freundschaftlichen) Beziehungen zentral. pdp: Welche Berufschancen sehen Sie für den Beruf des Gemeindereferenten? Benedetta Michelini: Auf der einen Seite sehe ich den Einsatz von Gemeindereferenten in den klassischen Feldern der Pastoral – allerdings im Sinne der Verantwortung für die Vernetzung unterschiedlicher Akteure der Pastoral. Darüber hinaus sehe ich für Gemeindereferenten die Aufgabe, Ehrenamtliche zu befähigen und zu stärken. Auf der anderen Seite erkenne ich die Chance für den Beruf des Gemeindereferenten, durch Fortbildungsmaßnahmen auch in anderen Bereichen tätig zu sein, wie beispielsweise der Supervision, dem Coaching, der Beratung oder der geistlichen Begleitung. pdp: Frau Michelini, Sie waren über Jahre eine Südtirolerin in Paderborn – schlagen mittlerweile zwei Herzen in Ihrer Brust? Benedetta Michelini: Ich bin in dem Sinne keine „klassische Südtirolerin“, weil meine Eltern selbst nicht aus Südtirol stammen. Ich habe unter anderem aus Paderborn und Westfalen verinnerlicht und schätzen gelernt: eine gewisse Bodenständigkeit und Gelassenheit. pdp: Was aus dem Pauluskolleg nehmen Sie mit zurück in Ihre Heimat? Benedetta Michelini: Eine große Dankbarkeit für jeden Menschen, den ich hier kennenlernen durfte. Sehr große Dankbarkeit für das Miteinander im Haus und für die beruflichen Erfahrungen, die ich in den verschiedenen Rollen in den letzten zehn Jahren hier sammeln durfte. Ganz wertvoll für mich ist so manche Stärkung – auch im Glauben –, sei es durch Gespräche, Gottesdienste oder spontane Begegnungen. pdp: Ein Wunsch für das Pauluskolleg in Paderborn? Benedetta Michelini: Möge dieses Haus weiterhin ein Ort der Begegnung, des miteinander Lernens, Lebens, Glaubens und Feierns sein, ein Ort, an dem tragende Freundschaften entstehen, ein Ort, an den man gerne zurückkehrt, auch nach dem Studium. Möge Gott mit seinem Segen die Menschen im Pauluskolleg umfangen. Mit guten Wünschen verabschiedet sich auch das Pauluskolleg von Frau Michelini: Für den Neuanfang in der „alten“ Heimat wünschen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles Gute und Gottes reichen Segen!


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