28 Absolvent*innen des Bachelorstudiengangs Religionspädagogik im Fachbereich Theologie nehmen am 18. Juli 2020 Abschied von ihrer Zeit an der Hochschule – ein festliches Beisammensein unter Coronabedingungen.

Der Dekan des Fachbereichs Theologie der KatHO NRW, Prof. Dr. Kai G. Sander, hat es in den vergangenen Wochen der sommerlichen Modulprüfungen, bei Zusammenkünften, Einzelgesprächen und in Gremiensitzungen immer wieder gesagt – und dabei ausgesprochen, was Lehrende wie Studierende wohl im Geheimen gedacht haben mögen: Noch im Mai hätte niemand von uns geglaubt, dass das Sommersemester 2020 tatsächlich in allen Belangen fristgerecht einen guten und auch harmonischen Ausklang fände. Und doch ist es – Corona zum Trotz – nun Wirklichkeit geworden: Dafür stehen die 28 der insgesamt 30 Absolvent*innen, die am 18. Juli mit Freude und Dank ihre Bachelorurkunden in Empfang nehmen konnten. Zwar war alles anders als sonst an diesem Tag der Vergabe der Bachelorurkunden: Es gab keinen ausgedehnten Festakt in der Hochschule, es gab keinen abendlichen Bachelorball, keinen großen Festgottesdienst in einer der großen Kirchen Paderborns mit vielen Gästen, Angehörigen, Freunden unserer Absolvent*innen. Wie gesagt: Das alles gab es nicht. Nicht in diesem Jahr. Und dennoch wurde auf würdige und stimmungsvolle Weise bei sommerlichen Temperaturen Abschied genommen.

Ort des Geschehens: Das Pauluskolleg und dessen schöner Garten.

Um 10:00 Uhr fand im Freien – und unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, wie die Corona-Schutzbestimmungen sie nun einmal auferlegen – eine schlichte und dennoch festliche Eucharistiefeier statt, zu der sich die Absolvent*innen, die Hausleitung des Pauluskollegs und die Professor*innen Koch, Peters, Sander und Tolksdorf und Dekanatsreferentin Andrea Balsmeier eingefunden hatten.

Zelebrant der Messfeier war Msgr. Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf. Zu Beginn der Messfeier hieß das Leitungsteam des Pauluskollegs, Frau Mühlberger und Frau Welling, alle Anwesenden herzlich willkommen. In ihrem Gruß erinnerten die Beiden unsere Absolvent*innen an eine gute gemeinsame Zeit, in der man auf vielfache Weise miteinander menschlich wie geistlich unterwegs gewesen sei. Die Erinnerung wurde sogleich zum Wunsch, dass alle, die an diesem Tag ihr Abschlusszeugnis erhalten, den Segen Gottes auf ihrem weiteren Lebensweg erfahren dürfen. Heiter-melancholisch griffen die beiden Semestersprecher*innen, Esther Kampel und Florian Weißelstein, die Worte des Leitungsteams auf: „Expert*innen für Veränderungen“ seien sie in den vergangenen drei Jahren geworden. Frau Kampel und Herr Weißelstein erinnerten an fröhliche Begegnungen und Erlebnisse in ihrer Studienzeit, zeigten sich aber nachdenklich angesichts einer für alle nicht nur in Fragen der Pandemie unsicheren (kirchlichen) Zukunft. Im Zentrum des Gottesdienstes stand das Evangelium von der Sendung zweiundsiebzig Jünger (Lk 10, 1-9). Der Zelebrant stellte in seiner kurzen Ansprache nicht nur das Reich Gottes und seine Dynamik in den Fokus der Betrachtung. Er betonte auch, dass die Erfahrung des Reiches Gottes eine sehr tröstliche Perspektive für alle sei, die sich um Formen eines glaubwürdigen Christseins in der Welt mühen – denn im Wissen um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit werde jene Unbehaustheit erträglich, die nun einmal das Wesensmerkmal des Pastoral-Sozialen in einer pluralen, von Diversitäten geprägten Gesellschaft der Postmoderne ausmache. Wer im Licht des Reiches Gottes wirke und arbeite, so das Fazit, dürfe immer wieder Aufbrüche wagen, neue Wege suchen, brauche sich nicht von Stagnation und vermeintlichem Niedergang entmutigen zu lassen. Im Weg liege das Ziel – und dessen Kraft. Die gottesdienstliche Feier, mit fröhlichen Liedern schön umrahmt von der Paulusband, endete mit einem besonderen Akzent: Der Dekan des Fachbereichs überreichte allen anwesenden Absolvent*innen die Bachelorurkunde.

Preis für herausragende Bachelorarbeiten

Besonderer Grund zur Freude für den Fachbereich Theologie wie für die Absovent*innen war es, dass auch in diesem Jahr die Bank für Kirche und Caritas Paderborn dankenswerterweise wieder einen „Preis für herausragende Bachelorarbeiten“ ausgesetzt hatte. Gleich drei Bachelorarbeiten konnten ausgezeichnet werden. Prof. Dr. Sander überreichte den Geehrten ein stattliches Geldgeschenk – verbunden mit einer von ihm und dem Vorstandsvorsitzenden der BCK, Herrn Dr. Richard Böger, unterzeichneten Urkunde.

Alle drei prämierten Arbeiten sind in ihrer Thematik in ganz besonderer Weise innovativ und verweisen, so Dekan Sander, auf Wesen und Gestalt einer Angewandten Theologie. In seiner Arbeit „,Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren‘ (Lk 2,11). Weihnachten im Licht der Osterkerze“ (Erstgutachter: Prof. Dr. Alexander Saberschinsky/ Zweitgutachter: Prof. Dr. Hans Martin Weikmann) untersucht Sven Böckenheide B.A. den inneren Zusammenhang zwischen Weihnachts- und Osterfest. Dazu spannt die Arbeit auf inhaltlich präsente Weise einen weiten, bestens fundierten Bogen von historischen, theologisch-systematischen und pastoralliturgischen Einblicken. In differenzierter Argumentation entwickelt der Verfasser darin eine Perspektive für einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag des Weihnachtsfestes in heutiger Zeit. In ihrer pastoraltheologischen Studie „Jugendliche als ,spirituelle Wanderer‘? Eine empirische Studie mit praktisch-theologischen Folgerungen für eine zeitgemäße Jugendpastoral“ (Erstgutachter: Prof. Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld/Zweitgutachter: Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf) stellt sich Eva Brambrink B.A. dem Phänomen des „spirituellen Wanderers“, der sich als gleichermaßen intellektuell wie emotional flexibler Zeitgenosse auf der Suche nach Sinn und Sinnangeboten seine Biographie in ihren geistig-spirituellen Ankerpunkten auf selbstbestimmte Weise setzt und immer wieder neu erschafft. Eva Brambrink entwickelt in ihrer umfangreichen Arbeit Kriterien, die es ihr erlauben, anhand von qualitativen Leitfadeninterviews mit ausgewählten Gesprächspartner*innen, den „spirituellen Wanderer“ als verbreitetes Lebensmodell auch unter Jugendlichen zu entdecken. Die Autorin leitet daraus wichtige wie hilfreiche Perspektiven für die Jugendpastoral als bedeutsames kirchliches Handlungsfeld ab. Als geradezu innovativ und hellsichtig darf dabei die „Theologie des Weges“ gelten, deren erste Umrisse Eva Brambrink im Anschluss an den verstorbenen Aachener Bischof und Bochumer Fundamentaltheologen Klaus Hemmerle skizziert. Die dritte der ausgezeichneten Arbeiten geht der fordernden Thematik des Umgangs mit Vorurteilen, die das Zusammenleben von Christen und Muslimen erschweren, nach. In ihrer Arbeit „Sprich mit mir! Umgang mit Vorurteilen im christlich-islamischen Dialog“ (Erstgutachterin: Jennifer Jung MA/ Zweitgutachter: Prof. Dr. Kai G. Sander) klärt Jana Maurach B.A. den Begriff des „Vorurteils“, aber auch den des „Rassismus“, um sodann auf detaillierte, sozialpsychologisch begründende Weise das Zusammenleben der Religionen in westlichen Gesellschaften zu beschreiben. Dabei gewinnt die Perspektive des interreligiösen Dialoges zwingende hermeneutische und darin handlungsorientierende Kraft: Nicht die Lehren der Religionen sind es, die Gewalt und Intoleranz religiös begründen, sondern solche ihrer Anhänger_innen, die die Lehren zu ihren Zwecken auslegen und so gewalttätige Handlungen zu legitimieren suchen.

Dankbarer Abschied und großzügige Spende

Der Ehrung der ausgezeichneten Arbeiten folgte ein abschließendes Dankeswort. Esther Kampel B.A. dankte dem Leitungsteam des Pauluskollegs, aber auch ihren Mitstudierenden für das intensive Mitwirken bei den Vorbereitungen des Abschlussgottesdienstes. Ihr Dank galt aber auch dem Fachbereich Theologie, den unsere Absolvent*innen zur bleibenden Erinnerung mit einem Geschenk bedachten.

Eine wirklich noble und sehr überzeugende Geste: Den Geldbetrag, den sie eigentlich für den Bachelorball gesammelt hatten, spenden unsere Absolvent*innen für das Kinder- und Jugendhilfeprojekt Kidsburg e.V. Paderborn.

Berührend auch, wie sich die derzeit Studierenden von ihren nunmehr „ehemaligen“ Mitstudierenden verabschiedeten: Dankes- und Grußworte, persönliche Grüße und Botschaften in Musik erklangen – im gebotenen Sicherheitsabstand – vom Dach des Pauluskollegs und fanden so den Weg zu ihren Adressat*innen unten im sommerlichen Garten.

Mit dem Schlussgebet und dem Schlusssegen endete der Gottesdienst: Coronabedingt löste sich die Gruppe dann unverzüglich auf. In Paderborn und auch in den Heimatdiözesen wurden die Absolvent*innen unseres Studienganges freudig erwartet. Gelegenheit für sie zum Verschnaufen nach den anstrengenden Wochen des nun vergangenen Sommersemesters, Gelegenheit zum Rückblick und zum Innehalten. Und eine gute Gelegenheit zum Ausblick auf neue (berufliche wie private) Wege in fordernden Zeiten.

Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf


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